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So gut wie jede Volkspartei!

Oder besser! denkt sich anscheinend fast jeder 10 wählende Sachse derzeit. Denn laut einer Forsa Umfrage vom 6. September, würde die NPD 9% aller Stimmen erhalten - und damit mehr als die hiesige SPD (sie würde 8% erhalten). Was zunächst nach einem schlimmen, großen Sache klingt, erscheint auf einen genaueren Blick gar nicht mehr so groß, aber umso schlimmer. Denn wer sich die Wahlergebnisse aus dem Jahr 2004 ansieht, merkt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt nur ein Prozent zwischen den Parteien lag. Nun, dieser hat sich inzwischen verkehrt, aber macht das wirklich einen großen Unterschied?

AP, gefunden bei: Taz Online

Fakt ist: Landtagswahlen und Wahlentscheidungen sind immer zu einem gewissen Teil Denkzettel für die Bundesregierung. Und dass sich gerade die SPD in der Großen Koalition immer wieder blamiert und bloßstellt - und besser noch: bloßgestellt wird vom CDU Koalitionspartner - spiegelt sich das natürlich auch in den, möglichen, Wahlergebnissen wider. Und das Hartz IV ihnen immer noch hinterher hängt, dürfte klar sein; vor allem im Osten.

Die Unzufriedenheit mit der SPD in Sachen dürfte jedoch noch weitere Gründe haben, die hier allerdings keine Rolle spielen soll.

Wichtiger ist: Die NPD steht kurz vor der 10% Marke im sächsischen Landtag und stand dies auch bei den Wahlen vor drei Jahren. Verwunderlich, dass sie gerade zulegen, wo sich doch die NPD Fraktion des Landtages selbst demontiert und bereits 4 Sitze im Landtag frei sind. Entweder, weil sie freiwillig gingen oder dazu gezwungen wurden. Neonaziattacken und Übergriffe auf Migranten, Alternative und auch Obdachlose spielen hier keine Rolle. Und Feierlichkeiten zum Kriegsbeginn sowieso nicht.

Und trotzdem steigt die Unzufriedenheit, das subjektive Ungerechtigkeitsgefühl und damit die Stammwählerschaft für NPD. Damit kann die Sache jedoch nicht erklärt sein, denn während die SPD in der Versenkung verschwindet, hält sich die CDU weiterhin bei 41 Prozent. Noch vor der Linkspartei ist die Volkspartei damit stärkste Kraft in Sachsen.

Sprich: Hier scheiden sich die rechten Geister. Vertraut man weiter der konservativen Volkspartei CDU - oder sieht man sich verlassen und wendet sich dem zu, was rechter neigt als alles Andere, der NPD?

Vermutlich wird die Ausländerfeindlichkeit in Kauf genommen - oder befürwortet. Denn laut Jörg Schönenborn sind die Wähler oftmals sehr jung und männlich. Darunter fallen sowohl kameradschaftliche Prügeltruppen, als auch gefühlt Chancenlose - Menschen die sich ungerecht behandelt fühlen, keinen Ausweg sehen also, sowie Neokonservative, denen die CDU nicht weit genug geht. Da Menschen vor allem im jungen Alter zur Radikalisierung neigen, ist es nicht verwunderlich, dass gerade diese Wähler 1. empfänglich für Nazidemagogie sind und 2. sie die CDU als inkonsequent empfinden. Schließlich gibt sich die NPD als ehrlich und offen - im Gegensatz zu den angeblichen Leuten in der Regierung, die Probleme nur nicht offen aussprechen wollen! Die NPD bricht Tabus, das macht an.

Wenn also die spieß- und kleinbürgerliche Welt Alternatives und Fremdes ablehnt, bedeutet das in konsequent weitergeführter faschistischer Gedankenwelt: Unwertes Leben - frei zum Verprügeln.

So wird der mitte-rechts Konsens der Umgebung zugespitzt und nicht zuletzt in NPD Wahlstimmen umgemünzt. Und gerade streng hierarchische, autoritäre und extreme Parteien können auf ihre Wähler zählen. Das die NPD sich den Kameradschaften angenähert hat und somit auch diese alle in die Wahlkabinen treibt, spielt ihnen dabei natürlich in die Hände.

Oder wie sonst sollte sich gerade der extrem hohe Stimmanteil der CDU und der wahnsinnig geringe Stand der SPD erklären lassen - wo doch beide in der Regierung sind und dementsprechend beide den “Denkzettel” empfangen sollten? An der Beliebtheit von Angela Merkel kann es nicht liegen - sie war 2004 noch nicht an der Macht. Ein weiterer Grund erscheint nicht ersichtlich. Oder doch?

Ich bin offen für Vermutungen über dieses Phänomen.

Abschließend: Scheinbar finden sich diverse Bürger Mügelns von der deutschen Medienlandschaft unfair behandelt, denn die “Junge Freiheit” konnte dort ein paar Probeabonnements gewinnen. Was wohl daran liegt, dass der Chefredakteur eben jener JF, Dieter Stein, behauptet, dass die Ereignisse in Mügeln und ihre Wahrnehmung durch die Presse “‘ins hysterische Reizschema einer unkritischen Presse’ passe und resümiert: ‘Welche Verheerungen diese die Menschen einer solchen Kleinstadt verachtende Berichterstattung auslöst, dafür scheint sich niemand unter den Sensibilität heuchelnden Journalisten zu interessieren.’”

Da haben die Bürger und Bürgerinnen aber Glück, dass wenigstens eine Zeitung die Wahrheit schreibt

 

~ von krempel am 7. September, 2007.

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