Wir sind kurz, ganz kurz vom Ausrasten!

Solidarität mit den Jugendprotesten in Griechenland!

Seit Tagen überschlagen sich die Nachrichten über die Geschehnisse in Griechenland. Linke Jugendliche haben die stärksten Unruhen seit 25 Jahren begonnen und das linksalternative Athener Stadtviertel Exarchia ist diversen Meldungen zufolge komplett frei von Polizeieinheiten. Wie kam es nun dazu?

Die Nachrichten sind sehr unterschiedlich. Die griechische Polizei selbst behauptet, ein Querschläger habe den 15jährigen Alexandros Grigoropoulos in die Brust getroffen, nachdem „30 Autonome“ einen Polizeiwagen angegriffen hätten. Von drei Schüssen, die ein Polizist abgegeben hätte, seien zwei auf den Boden abgegeben worden, von denen einer den Jungen in die Brust getroffen hätte. Eine sehr fragwürdige Geschichte.

Studierendenaktion

students draw blood on the ground as a protest against the killing

Deutlich glaubhafter erscheinen hier die Augenzeugenberichte, die von „kaltblütigem Mord“ sprechen. Nachdem die Jugendlichen aus einer Bar kamen, haben sie die Polizisten „verarscht“ und eine Plastikflasche auf ihren Wagen geworfen. Zwei Minuten nachdem die Situation vorbei war, kamen die Cops zurück; einer der Beiden wirft eine Blitzgranate und der Andere erschießt Alexandros mit einem Treffer in die Brust. Ob er nun einen oder alle drei Kugeln auf den Jungen schoss, das wird hierbei völlig irrelevant.

Rasend schnell breitete sich die Nachricht nicht nur in Athen, sondern in ganz Griechenland aus, und kurz darauf kam es zu den ersten Unruhen, die sich auch auf diverse Inseln des Landes ausbreiteten (Korfu und Kreta, z.B.). Die Wut der Jugend in Griechenland über die miserable ökonomische Situation, unter der sie besonders zu leiden hat – die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 25%! –, kanalisierte sich durch diesen Vorfall mit der Wut gegen den Staat und die Polizeigewalt.

police officer pulls his gun at the riots

police officer pulls his gun at the riots

In ganz Griechenland wurden Polizeistationen angegriffen. PolizistInnen wurden verletzt und viele Polizeifahrzeuge zerstört. Aber nicht nur die Staatsgewalt wurde Ziel der Ausschreitungen, sondern auch Symbole des Reichtums, zu dem viele Jugendliche niemals Zugang haben werden. Seit dem Vorfall brennen jede Nacht neue (Nobel-)Läden, (Luxus-)Autos, Banken und Barrikaden. Die Polizei, setzt massiv Tränengas ein, was aber kaum Wirkung auf die Protestierenden hat. Und nachdem die Deeskalationstaktik keinen Erfolg hatte, scheint die Regierung langsam auf hartes Durchgreifen zu setzen. Die Polizei wird mit Steinen und Brandsätzen beworfen und offensiv angegriffen. Auch im Ausland gab es Solidaritätsproteste, etwa Besetzungen von griechischen Konsulaten in Berlin oder London.

Wir, die unabhängige Jugendorganisation REVOLUTION, unterstützen die Proteste. Unsere Solidarität gilt denjenigen, die sich zur Wehr setzen gegen Staat und Polizei. Wir begrüßen, dass der alternative Bezirk Exarchia derzeit frei ist von Polizeieinheiten und dass die Athener Innenstadt kurzzeitig unter Kontrolle der tausenden Protestierenden waren. Wir unterstützen die Streiks und Besetzungen der Schulen und Universitäten und freuen uns besonders über die Unterstützung der LehrerInnen, die in einen dreitägigen Solidaritätsstreik gegangen sind. Auch wenn wir die teilweise Rücksichtslosigkeit gegenüber unbeteiligten ZivilistInnen in Privatwohnungen kritisieren müssen, so bleiben wir solidarisch mit den linken Menschen, die sich gegen die unaufhörliche Gewalt des Systems auflehnen.

Auch 1983 wurde ein 15 Jähriger durch die Polizei erschossen. Die Unruhen dauerten damals zwei Monate – doch längerfristig haben diese Randalen nichts am Wesen des kapitalistischen Staates samt Polizeigewalt geändert. Damit nicht dasselbe noch einmal passiert, und die berechtigten Wutausbrüche nichts am Bestehenden ändern, muss die Verbindung zur ArbeiterInnebewegung gesucht werden. Die Ausschreitungen dürfen nicht isoliert bleiben, sondern müssen sich die Unterstützung der MigrantInnen, ArbeiterInnen, der Ausgebeuteten sichern. Andersrum muss der Generalstreik, der für den heutigen Mittwoch (10. Dezember) seit langem geplant wird, durch linke Jugendliche unterstützt werden. Nur so gibt es die Möglichkeit, die Klassenherrschaft, welche Polizeimorde erst ermöglicht, tatsächlich revolutionär zu überwinden.

Für die Freilassung der während der Unruhen Festgenommenen! Für bedingungslose Solidarität mit den Protesten! Für die Zusammenarbeit mit und Radikalisierung der ArbeiterInnenproteste! Für die revolutionäre Zerschlagung des Staates und des Kapitalismus!
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