China als Regionalmacht (Teil 5): China als Regionalmacht

Wenn irgendein Land derzeit die weltpolitische Machtkonstellation, den weltweiten Kapitalismus und die internationale Bourgeoisie in Aufregung versetzt, dann ist es die Volksrepublik (VR) China. Doch nicht nur für die herrschende Klasse, auch für soziale Bewegungen, die radikale Linke, bürgerliche und marxistische Forschung und Politik ist China ein extrem wichtiger Faktor. Teil 2 der Serie “China als Regionalmacht”. Nachdem wir die Konkurrenzsituation zwischen den USA und der Volksrepublik und das Bedrohungsszenario durch das US-Militär bereits angesprochen haben, wollen wir uns nun dem Militär der VR zuwenden. Dessen Zielsetzung und Entwicklung ist von entscheidender Bedeutung, um Chinas Rolle in Ostasien zu verstehen und die politische Entwicklung in dieser Region.

Das ökonomische Wachstum und das militärische Aufrüsten der VR ändert natürlich seine Rolle innerhalb des ostasiatischen Raumes signifikant. Auf die Verbindung zu Nordkorea wurde bereits eingegangen, für die Kontrolle über die Region sind aber andere Staaten weit wichtiger. Japan besitzt noch immer – obwohl es seit 2008 offiziell in Rezession ist – das zweitgrößte BIP der Welt. Selbst Südkorea liegt auf Platz 15. Und auch wenn sie nicht Nord-Ost-Asien gehören, so spielen die auch die ASEAN Staaten eine Rolle, deren gemeinsames BIP ungefähr so groß ist wie das von Brasilien. Sie sind gerade für die ostasiatischen Staaten ein wichtiger Investitionsraum.

Letztere Staaten scheinen sich allerdings immer mehr von China beeinflussen zu lassen. So sehr, dass sich der neue Verteidigungsminister der USA, Robert Gates, dazu gezwungen sah, eine rein ost-asiatische Region ohne US-amerikanischen Einfluss als unmöglich abzutun.[1] Gleichzeitig versucht China seine Marineflotte in dieser Region zu stärken und alternative Seewege zu etablieren. Verschiedene Staaten des Ost-asiatischen Raumes sehen die VR als konstruktiven Handelspartner und nichtbedrohliche Regionalmacht.

Allerdings versucht auch Südkorea in dieser Region zu investieren, und hat mit Vietnam eine „strategische kooperative Partnerschaft“ abgeschlossen. Für Südkorea ist China zwar inzwischen der größte Handelspartner und wird damit auch politisch immer wichtiger.[2] Südkorea ist außerdem Chinas drittgrößter Handelspartner. Gleichzeitig ergibt sich mit den ASEAN Staaten allerdings eine Konkurrenzsituation. Doch um derlei Probleme auszumerzen, treffen sich die Herrschenden der Staaten regelmäßig und selbst ein militärischer Austausch ist nichts Ungewöhnliches mehr.

Gleichzeitig darf man den Konflikt um Nordkorea nicht ignorieren. China ist an einem stabilen nordkoreanischen Staat, perspektivisch auf kapitalistischer Grundlage, interessiert; Südkorea hingegen interessiert sich für eine Wiedervereinigung, um die nördliche Halbinsel politisch wie ökonomisch zu kontrollieren. Zusätzlich ist Südkorea weiterhin deutlich abhängiger von den USA als es Japan einmal war und daher sind auch die militärischen Bindungen mit den USA deutlich größer. Dies verschärft natürlich auch etwaige Konfliktlinien mit der Volksrepublik.

Auch Japan versucht immer deutlicher, sich vom US-Einfluss zu verabschieden. „Until now, we have tended to be too reliant on the United States”, behauptet der japanische Premierminister Yukio Hatoyama, der stattdessen einen stärkeren Fokus auf den asiatischen Raum legen will. Dabei geht es nicht nur um China und Südkorea, als er bei einem gemeinsamen Treffen mit diesen beiden Staaten davon sprach; sondern er schließt auch Indien, Australien, Neuseeland und die ASEAN Staaten dabei mit ein. Dies sind alles Staaten, die sich mehr als zuvor an der chinesischen Führung orientieren. Bürgerliche Kräfte in den USA haben vor genau dieser Perspektive Angst und sie scheint nicht völlig ausgeschlossen, da China Japan wirtschaftlich inzwischen gewachsen ist. Und während Japans Wirtschaftskraft sinkt, seine Exporte schrumpfen, Arbeitslosigkeit auf einem Höchststand ist, so gewinnt China Raum, den es nur durch seinen wirtschaftlichen Aufstieg legitimieren kann.

Tatsächlich hat Japan im Jahr 2008 ein gemeinsames Papier mit der VR verabschiedet, welches die gemeinsamen Interessen als fruchtbar und die sino-japanische Beziehung als eine der wichtigsten bilateralen Beziehungen überhaupt einschätzt.[3] Zwischen 1993 und 2003 war Japan Chinas wichtigster Handelspartner,  2007 wurde China Japans wichtigster Handelspartner, mit einem Handelsvolumen von 236 Milliarden Dollar.[4] Durch die starken wirtschaftlichen Verflechtungen verbessern sich die politischen Beziehungen stetig; auch wenn es möglicherweise noch zu nationalen Konflikten um historische Konflikte kommen kann.


[1] „There is little room for a seperate ‚East Asian order‘“, zitiert nach World Socialist Web Site: Singapore security forum points to US-China tensions, http://wsws.org/articles/2008/jun2008/chin-j09.shtml, 09.06.2008

[2] The New York Times: South Korea Rising, http://www.nytimes.com/2009/10/24/opinion/24iht-edbowring.html?_r=2&partner=rssnyt&emc=rss, 23.10.2009

[3] Ministery of Foreign Affairs of Japan: Joint Statement between the Government of Japan and the Government of the People’s Republic of China on Comprehensive Promotion of a „Mutually Beneficial Relationship Based on Common Strategic Interests“, http://www.mofa.go.jp/region/asia-paci/china/joint0805.html, 07.05.2008

[4] People’s Daily: Launching a new era in China-Japan relations, http://english.people.com.cn/90002/93900/6408319.html, 12.05.2008

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