Breiviks Attentate und der tägliche Terrorismus

Am 22. Juli hat der Norweger Anders Behring Breivik in Oslo einen doppelten Terroranschlag verübt. Durch einen Bombenanschlag im Regierungsviertel tötete er acht Menschen um danach auf einem Camp der sozialdemokratischen Jugend ein Massaker an 69 Jugendlichen anzurichten. Doch was ist der Hintergrund dieses widerlichen Verbrechens?

Inzwischen ist bekannt, dass Breivik Anti-Kommunist und Anti-Islamist ist und Verbindungen zur rechtsextremen Szene hatte. Am Tag des Verbrechens veröffentlichte er ein 1500 Seiten langes Manifest im Internet, wo er seine Motivation und seinen Antrieb klar und offen darlegt: Verteidigung der christlichen Kultur gegen die Gefahr des Islams, der versuchen würde seine Werte der westlichen Welt aufzudrücken. Außerdem ging es darum, diejenigen zu bestrafen, die in seinen Augen Verrat an der christlichen Kultur geübt hätten: Die regierende Sozialdemokratie, und damit die heranwachsende sozialdemokratische Jugend. Diese seien in seinen Augen dafür verantwortlich, dass der Islam sich immer weiter ausbreiten könne.

Die Presse war sich schnell einig: „Wahnsinn“ war das, die Tat eines „Psychos“, die weder „erklärbar“ noch „begreifbar“ sei. Das verwundert angesichts der Tatsache, dass solche Politik und Ansichten in den europäischen Gesellschaften nicht nur verbreitet, sondern sogar regierungsfähig sind. Angela Merkel und ihr Verbündeter Sarkozy stellten erst letztens fest, dass der „Multikulturalismus“ – Hassobjekt für Breivik – gescheitert sei. Und noch weiter, war doch erst vor einigen Monaten ein Buch wochenlang in der Bestseller-Liste, welches mit Breiviks Ideologie nicht nur Ähnlichkeiten aufweist, sondern quasi identisch ist! Im Buch von Thilo Sarrazin wurde der Islam als die Gefahr für die deutsche Nation bezeichnet und die deutschen Regierungen als Verräter bezeichnet, da sie nichts gegen diese Gefahr tun würden! Und noch immer ist Sarrazin nicht aus der SPD ausgeschlossen wurde, die mit der norwegischen Sozialdemokratie international verbunden ist.Breivik

Der Wahnsinn, den Breivik umtreibt, ist nicht der seiner Ansichten oder der, dass er seiner Überzeugung Taten folgen lässt. Wahnsinn ist einzig seine Einschätzung, dass die Herrschenden – seit dem Kalten Krieg und bis heute Anti-KommunistInnen durch und durch – nichts gegen den „Islam“ tun würden. Bereits in den 90er Jahren sprach der etablierte Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington vom „Kampf der Kulturen“ und spätestens seit dem 11. September ist der „Islam“ bzw. das, was sie als Islam bezeichnen, das neue Feindbild westlicher Außenpolitik. Das Schreckgespenst diente dazu die Kriege in Afghanistan und dem Irak zu legitimieren und zur Verschärfung der Ausländergesetze. Und vor allem dazu, die ArbeiterInnen zu spalten und von ihrem wirklichem Feind, den Bossen und Bankern, abzulenken. Niedriglohn und Zeitarbeit lassen sich gegenüber ausgegrenzten und scheinbar machtlosen MigrantInnen noch besser durchsetzen. Um es dann auch den anderen ArbeiterInnen aufzuzwingen!

Seit Jahren leben die Herrschenden einen Hass auf MigrantInnen und die arabische Bevölkerung vor, dass Breiviks Ansichten nicht überraschen sollten. Seine Morde sind nichts im Vergleich mit der Vernichtungskraft europäischer Armeen im Nahen Osten. Auch heute noch beteiligt sich die sozialdemokratische Regierung Norwegens an der Bombardierung Lybiens und ist in den Afghanistankrieg involviert. Selbst als bekannt wurde, dass Breivik ein weißer, gebildeter Christ ist, wurde in Zeitungen darüber debattiert, inwiefern sich islamischer Terrorismus nun verschärfen würde! Und natürlich war der Zeigefinger schnell auf die muslimische Bevölkerung gerichtet als das Attentat bekannt wurde.

Was die Medien und Herrschenden schockiert, das sind nicht die Taten selbst. Es ist, dass er es nicht in ihrem Namen, in ihrer Uniform getan hat. Es schockiert, dass tatsächlich jemand glaubt, dass der Westen nicht seine Herrschaft und Kontrolle über die Halbkolonien brutal durchsetzen würde. Wir sollten uns von solchem Unsinn nicht ablenken lassen. Die wahren TäterInnen, die Breivik zu seinen brutalen Taten getrieben haben, sitzen noch immer an den Hebeln der Macht. Die KapitalistInnen können mit Breiviks Taten gut leben und sie setzen dem Morden nichts entgegen außer noch mehr Gewalt für ihre Profitinteressen. Wir sollten uns solidarisieren mit denjenigen, die von Rechten und den Herrschenden unterdrückt und ausgebeutet sind. Denn letztlich steht uns jedeR ArbeiterIn im Nahen Osten näher, als die christlichen KapitalistInnen, die solch ein Elend jeden Tag ganz bewusst geschehen lassen. Wir leben nicht im Kampf der Kulturen, sondern im Kampf der Klassen. Und die da oben können uns außer Ausbeutung nichts bieten.

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