Transplantieren, Profitieren

In der Republik herrscht Entsetzen. In quasi allen deutschen Transplantationszentren kommen nach und nach Manipulationen und Fälschungen ans Tageslicht. So sollen von den bisher untersuchten Akten 37 von 54 PatientInnen keine Dialyse (Blutreinigungsverfahren) erhalten haben, obwohl dies bei der zentralen Transplantationsstelle Eurotransplant abgerechnet wurde. Auch in der Münchner Klinik rechts der Isar sollen jahrelang Daten manipuliert worden sein, um PatientInnen auf Wartelisten für eine neue Leber hochzuschieben.Bild

In der Politik wiederum herrscht Ratlosigkeit und panikartiges Suchen nach einem Sündenbock. SPD Fraktions-Chef Steinmeier fordert höhere Strafen für diejenigen Ärztinnen und Ärzte, die für ihr Profitinteresse Listen manipuliert hätten. Aber auch die Medien wissen nicht, wen sie beschuldigen können.

Wir können es nur als Unfähigkeit oder willentliche Ablenkung verstehen, dass Politik und Medien das eigentliche Problem nicht beim Namen nennen können. Denn diese massiven Manipulationen können nicht einfach durch den „bösen Willen“ der ÄrztInnen erklärt werden. Hier herrscht ein System; und dieses System hat eine ganz klare Ursache: den Profit.

Profiteure sind die verschiedenen Unternehmen, die auf dem Krankenhausmarkt miteinander um staatliche Förderung und Kassengelder konkurrieren. Sie brauchen jedes Jahr mehr Eingriffe und Operationen um mehr Gelder zu erhalten.
Mit diesem sehr eindeutigen Motiv wird von oben Druck auf die Standorte und Zentren gemacht und mit Gelder-Kürzung gedroht, sollte sich die Operationsrate – und damit die Profitrate – nicht erhöhen. Wenn jetzt Manipulationen und Fälschungen bekannt werden, dann gilt unsere Kritik dem systematischen Druck, welcher ausgeübt wird, damit am Ende auch ja die richtigen, schwarzen, Zahlen stehen. Die ÄrztInnen, die jetzt strafrechtlich verfolgt werden, sind nur die Bauernopfer der Politik.

Die Herrschenden drücken sich um diese Antwort, denn sie müssten zugeben, dass ihr Drängen auf Privatisierung für den Druck und den Kürzungswahn sorgt, die das Leben von PatientInnen gefährden und das Krankenhaus personal stetig härter ausbeuten. Sie müssten zugeben, dass es ihre Politik ist, die für den Transplantations-Skandal und den zerrütteten Zustand im Gesundheitswesen zuständig sind.

Ein Gesundheitssystem für die Bedürfnisse der ArbeiterInnen und PatientInnen kann nur von uns erkämpft werden. In den Krankenhäusern muss von den KollegInnen selbst festgestellt werden, wo die Probleme liegen und wie sie zu lösen sind.
Überhaupt: Warum sollten die Unternehmen, die tagtäglich versprechen für unser Wohl zu sorgen, nicht einfach bei ihren Profiten Abstriche machen, um sorgfältige und bedürfnisgerechte Behandlung für alle zu garantieren? Warum sollte eigentlich nicht die bestmögliche Pflege im Vordergrund stehen, und von den KollegInnen und den PatientInnen selbst geplant werden?

Für solche eigentlich einfachen Fragen hat diese Politik keine Antwort. Sie will sie aber auch nicht haben, denn für sie zählt die Rendite der Unternehmen – nicht wir.

Ursprünglich erschienen in Gemeinsam Kämpfen Nr. 27 für die RSO Berlin.

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Ein Gedanke zu „Transplantieren, Profitieren

  1. Johnd379

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